From the magazine recht 2/2020 | S. 118-136 The following page is 118

Kundenschutz im Aufsichtsrecht

Grundzüge des Kundenschutzes in der schweizerischen Finanzmarktaufsicht

Die Weltwirtschaftskrise von 2007/2008 hat auf verheerende Art gezeigt, dass eine allzu liberale Finanzmarktaufsicht mit den primären Zielen des Finanzmarktrechts – dem Funktions- und Individualschutz – nicht vereinbar ist. Die seitherigen Bemühungen, einen stabilen Finanzmarkt mit robusten Finanzinstituten und hohem Kundenschutzniveau zu schaffen, nahmen ihren Anfang im Erlass des FINMAG und des FinfraG und finden ihren vorläufigen Höhepunkt im Erlass des FINIG und des FIDLEG. Diese Gesetze bilden den Kern der Schweizer Finanzmarktaufsicht, die im vorliegenden Beitrag veranschaulicht wird.

I. Einleitung

Der schweizerische Finanzsektor hat eine überdurchschnittliche volkswirtschaftliche Bedeutung. Seine Bruttowertschöpfung lag im Jahr 2016 bei CHF 60 Mia., was einem Anteil von 9,4 Prozent am gesamtschweizerischen BIP entspricht.1 Auch im internationalen Vergleich ist dies ausserordentlich, liegt dieser Anteil doch ein Drittel über dem entsprechenden Anteil des britischen Finanzsektors, der mit London immerhin über den wichtigsten Finanzplatz weltweit verfügt.2 Die UBS ist mit Abstand der global grösste «wealth manager» und neben ihr finden sich fünf weitere Schweizer Banken unter den «Top 25 Global Private Wealth Managers»;3 daneben zählt auch die grösste schweizerische Börse zu den Wichtigsten weltweit.4

So stark sich der Stellenwert des schweizerischen Finanzplatzes in relativen und absoluten Grössen darstellt, so bedenklich ist nach Ansicht des ehemaligen Direktors der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht (FINMA), Dr. Patrick Raaflaub, offenbar die Situation…

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