From the magazine recht 1/2019 | S. 50-60 The following page is 50

Law and Economics: ein Panoramablick

Die Theorie von Law and Economics beschäftigt sich mit den Wirkungen von Rechtsnormen und Gerichtsentscheiden. Sie bedient sich dabei ökonomischer Verhaltensmodelle und Bewertungskriterien. Ursprünglich in den USA entwickelt, konnte sich die Theorie von Law and Economics inzwischen auch in Europa etablieren. Dieser Beitrag wirft einen «Panoramablick» auf ein Konzept, dessen Anwendungsfeld sich mittlerweile auf nahezu alle Rechtsgebiete erstreckt. Ein besonderes Augenmerk wird auf die Funktionalität im Vertrags- und Haftpflichtrecht gelegt.

I. Einleitung

Rechtsnormen und Gerichtsentscheide zielen darauf ab, Folgen in der Wirklichkeit herbeizuführen. Sie sollen insbesondere menschliche Verhaltensweisen in bestimmter Weise beeinflussen und die Komplexität, Wandelbarkeit und Vielschichtigkeit des gesellschaftlichen Zusammenlebens angemessen ordnen. Die Theorie von Law and Economics (auch: ökonomische Analyse des Rechts) (nachfolgend: LE-Theorie) knüpft hier an und stellt die Frage in den Mittelpunkt, wie rechtliche Regelungen und gerichtliche Entscheidungen dies tun können und mit welcher Absicht sie dies tun sollten. Dabei untersucht und bewertet die LE-Theorie die Auswirkungen von Rechtsnormen und Gerichtsentscheiden auf menschliches Verhalten aus einer ökonomischen Perspektive.1

In diesem Beitrag sollen die zentralen Charakteristika der LE-Theorie dargestellt werden. Zunächst wird auf ihren Ursprung und ihre Entwicklung sowie auf die ihr zugrunde liegenden Konzepte eingegangen. Anschliessend wird ihre…

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