From the magazine recht 3/2019 | S. 180-196 The following page is 180

Der Schadenersatzanspruch des Käufers im Rahmen der Wandelung

Gemäss Art. 208 Abs. 2 OR hat der Verkäufer den Schaden zu ersetzen, der dem Käufer durch die Lieferung fehlerhafter Ware unmittelbar verursacht worden ist. Die Auslegung des Begriffes der «Unmittelbarkeit» ist jedoch höchst umstritten. Dieser Beitrag setzt sich mit dem Umfang der Kausalhaftung des Verkäufers auseinander. Zudem wird die Verschuldenshaftung des Verkäufers gemäss Art. 208 Abs. 3 OR untersucht. Dabei kommt der Beitrag zu dem Schluss, dass der «weitere Schaden» nach Wahl des Käufers anhand des positiven oder des negativen Interesses berechnet werden kann.

I. Einleitung

Führt eine mangelhafte Kaufsache zu einem Schaden, so kann der Käufer vom redlich handelnden Verkäufer – kumulativ zur Wandelung – lediglich den Ersatz des durch die Lieferung mangelhafter Ware unmittelbar verursachten Schadens verlangen. Trifft den Verkäufer hingegen ein Verschulden, so hat er dem Käufer gemäss Art. 208 Abs. 3 OR auch den weiteren Schaden zu ersetzen. Trotz der praktischen Bedeutung, die der Bestimmung des unmittelbaren Schadens zukommt, ist es der Lehre und Rechtsprechung bisher nicht gelungen, eine widerspruchsfreie Grenzziehung zwischen dem unmittelbaren und dem weiteren Schaden vorzunehmen.1 Ein Blick auf die aktuelle Rechtsprechung zeigt, zu welch stossendem Ergebnis diese Unklarheit führen kann. Im sog. «Papageien-Fall» verurteilte das Bundesgericht einen redlichen Verkäufer von sechs – mit einer ansteckenden Krankheit infizierten – Papageien zum Ersatz des gesamten Schadens in Höhe von über 2 Mio. CHF, der dem Käufer – einem…

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