From the magazine recht 2/2019 | S. 95-120 The following page is 95

Bitcoin als Rechtsobjekt – eine zivilrechtliche Einordnung

Dieser Beitrag untersucht die Rechtsnatur von Kryptowährungen (Bitcoins) aus der Sicht des schweizerischen Zivilrechts. Insbesondere geht er der Frage nach, ob und inwiefern es sich hierbei um von der Privatrechtsordnung anerkannte Rechtsobjekte handelt, an denen subjektive Rechte begründet werden können, und welchen Schutz Inhaber solcher «Native Token» geniessen, wenn in einer von ihnen nicht beabsichtigten Weise in ihre Rechtsposition eingegriffen wird, etwa wenn Bitcoins «gestohlen», «zerstört» oder «veruntreut» werden.

I. Einleitung

Die wohl bekannteste und – gemessen an der Marktkapitalisierung – noch immer gewichtigste Kryptowährung Bitcoin (BTC) existiert seit dem Jahr 2009, erlebte ihren wirtschaftlichen Durchbruch aber erst im Laufe des Jahres 2017, als ihr Wert von weniger als USD 1000.– auf rund USD 20000.– pro BTC anstieg. Die Kryptowährung Bitcoin basiert auf dem Prinzip der dezentralen Buchführung (sog. Distributed Ledger) und der sog. Blockchain-Technologie, deren Entwicklung mit der Idee des Bitcoins einherging.1 Diese neuartige Technologie ist aber nicht auf Bitcoins oder andere Kryptowährungen beschränkt, sondern eröffnet ein viel breiteres Spektrum praktischer Anwendung. Gestützt darauf wurden in den vergangenen Jahren die unterschiedlichsten virtuellen Werteinheiten geschaffen (sog. Token). Solche Token, über die mittels der Blockchain dezentral Buch geführt wird, können einerseits aus sich selbst heraus einen wirtschaftlichen Wert aufweisen, der ausschliesslich im…

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